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Meine Intel CPU wird zu heiß, obwohl mein Kühler die spezifizierte TDP unterstützt, was ist das Problem?

Aktuelle Prozessoren von Intel, insbesondere aber die entsperrten Modelle mit den Suffixen C, K, X und XE (z.B. Core i7-8700K, Core i9-7900X oder Core i9-9900K), können unter gewissen Umständen mehr Wärme abgeben als in der TDP-Angabe spezifiziert. Der von Intel spezifizierte TDP-Wert bezieht sich ausschließlich auf den Basistakt (engl. „base clock“), nicht aber auf die Taktgeschwindigkeiten, die im Turbo-Modus erzielt werden können (Turbotakt).

Während sich viele Mainboard-Modelle an die von Intel empfohlenen Einstellungen für Takt und Leistungsaufnahme halten, gibt es andere Modelle, bei denen das UEFI BIOS so konfiguriert ist, dass

  1. die TDP-Limitierung erhöht oder aufgehoben wird.
  2. das Mainboard automatisch übertaktet, z.B. durch eine Erhöhung der Versorgungsspannung und die Verwendung höherer Multiplikatoren im Turbo-Modus.

Abhängig von der Konfiguration der CPU und den Lastszenarien kann die tatsächliche Leistungsaufnahme 1,5- bis 3-mal so hoch liegen wie der spezifizierte TDP Wert. Dies kann gerade bei kleineren Kühlern, beengten Platzverhältnissen, Gehäusen mit schlechter Belüftung oder dann zu Temperaturproblemen führen, wenn Programme verwendet werden, die untypisch hohe Lasten erzeugen, wie z.B. Prime95 mit AVX2 Unterstützung, 3D-Rendering- oder Simulations-Software.

Die tatsächliche Leistungsaufnahme des Prozessors kann mit der vom Mainboard-Hersteller zur Verfügung gestellten Software oder Anwendungen von Drittherstellern wie HWInfo oder HWMonitor überwacht werden.

Wenn Sie Temperaturprobleme feststellen (>90°C) und die Leistungsaufnahme höher als spezifiziert ist, stellen Sie sicher, dass keine Übertaktung ab Werk vorliegt. Zusätzlich können Sie die TDP auf den von Intel spezifizierten Wert bzw. auf einen Wert limitieren, der 5-10W unter dem zuvor per Software ausgelesenen Niveau liegt, indem Sie im BIOS die Einstellung „Long Term Duration Power“ von „Auto“ auf manuell setzen.

Darüber hinaus kann es hilfreich sein, den CPU-Takt für Anwendungen zu senken, die sehr starken Gebrauch vom AVX-Befehlssatz machen, welcher zu einer erhöhten Auslastung des Prozessors und damit höherer Leistungsaufnahme führt. Diese Option ist im BIOS üblicherweise als AVX-Offset benannt und ermöglicht es, den Multiplikator spezifisch für AVX basierte Anwendungen zu senken, ohne die Leistung bei Nutzung anderer Befehlssätze zu verringern. Je nach Güte der CPU und der genauen Last der verwendeten Programme lassen sich mit einer Reduktion von 2-3 Stufen üblicherweise sehr gute Ergebnisse erzielen.

Die Möglichkeit, einen AVX-Offset Wert einzugeben, ist meist bei den folgenden CPU-Generationen verfügbar:

  • LGA1151:7., 8. und 9. Generation (Kaby Lake, Coffee Lake)
  • LGA2011-3: 6. Generation (Broadwell-E)
  • LGA2066: 7. und 8. Generation (Skylake-X)

Sollten Sie Probleme haben, die entsprechenden Einstellungen im BIOS zu finden, wenden Sie sich im Zweifelsfall bitte an Ihren Mainboard-Hersteller.

Alle unsere TDP Empfehlungen basieren auf eingehenden Tests mit den von Intel spezifizierten Standardwerten auf Basis populärer Anwendungen wie Asus Realbench und prime95. Bitte beachten Sie jedoch, dass prime95 eine besonders hohe, über typische Anwendungsszenarien hinausgehende Auslastung erzeugt und somit zu erhöhten Temperaturen führt. Wir empfehlen aus diesem Grund die Verwendung anderer Programme wie Realbench, um die Stabilität und Temperatur der CPU unter realistischen Anwendungsszenarien zu überprüfen.

Bitte beachten Sie weiters, dass Prozessoren, bei denen zwischen DIE und Heatspreader Wärmeleitpaste statt Verlötung zum Einsatz kommt, generell heißer werden. Aufgrund des durch die Wärmeleitpaste erzeugten thermischen Flaschenhalses können teils bereits bei der spezifizierten TDP höhere Temperaturen auftreten.

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